Artikel: Sainte-Maxime. Alle Jahre wieder... (2005)

von Sigune Kröger, mit Berichten von Madeleine Faas und Simon Kopitzki

[Foto: Sainte-Maxime]
Also wenn das kein guter Ort für einen Schüleraustausch ist...

Alle Jahre wieder fahren wir, und das schon seit über zwanzig Jahren zum Austausch mit dem Collège Berty Albrecht nach Sainte-Maxime. Zunächst bedeutet das seit vielen Jahren zu Beginn eines jeden Schuljahrs die bange Frage: "Ob die Maximois diesjahr wohl genug austauschwillige Schüler haben?" Denn bei uns hier in Neuenbürg ist das Interesse der Schüler am Austausch mit den Schülern aus der hübschen Stadt am Mittelmeer ungebrochen und für viele ist es eine echte Enttäuschung, wenn sie mangels "französischer Masse" nicht teilnehmen können. Anschließend taucht dann alljährlich die Frage auf: "Wie fahren wir gen Süden? Fliegen wir wie die Franzosen, können wir einen Bus chartern oder ist das zu teuer, fahren wir mit dem Zug oder dauert das zu lange oder ist das zu riskant?"

[Foto: Gruppenfoto]

Und dann geht natürlich auf beiden Seiten die Programmplanung los: Besuch von Schloss Neuenbürg, Besuch des Bergwerks, ein Ausflug nach Karlsruhe oder in die Wilhelma oder nach Heidelberg oder zum Schloss Bruchsal ins Museum für automatische Musikinstrumente oder zum Steineklopfen nach Holzmaden oder zum Hohenzollern usw. Die Auswahl ist groß. Wenn wir in Sainte-Maxime sind, gibt es allerdings alle Jahre wieder einen garantierten Programmpunkt, nämlich die Fahrt mit dem Schiffchen über den Golf in das ehemals kleine Fischerdörfchen Saint-Tropez, das inzwischen durch all seine mondänen Besucher und Bewohner zu Weltruhm gekommen ist, da dürfen wir natürlich nicht fehlen: Da steigen wir auf die Zitadelle um wie die Seeräuber früher den Golf zu überschauen, da schauen wir uns vielleicht den ganz besonders gelegenen und gearteten Seemannsfriedhof an, da bummeln wir durch die schmalen Gässchen und genießen den Schatten zwischen den hohen Mauern, wenn unten im Hafen die Junisonne brennt. Und alle Jahre wieder lassen Frau Kröger oder die anderen begleitenden Lehrer ihre Ermahnungen vom Stapel, sich doch ja mit genügend Sonnencreme und einer Kopfbedeckung vor Sonnenbrand und Sonnenstich zu schützen. Und jedes Jahr wieder probieren ein paar Schüler aus, wie so ein waschechter mediterraner Sonnenbrand sich anfühlt.

[Foto: Organisatorinnen]

Zum jährlich wiederkehrenden Programm sowohl in Neuenbürg als auch in Sainte-Maxime gehört auch eine Einladung in die jeweiligen Rathäuser, was für die Schüler immer etwas Besonderes ist, weil sie – vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben – von Bürgermeistern mit einer Begrüßungsrede beehrt und anschließend noch mit Brezeln oder Snacks, Getränken und Geschenken verwöhnt werden. Für einige Schüler ist dieser Programmteil besonders aufregend, nämlich dann, wenn sie die Ehre haben, eine kleine Dankesrede an den Bürgermeister und die anwesenden Eltern zu halten. Und natürlich ist immer wieder der Besuch in der Partnerschule höchst dramatisch, nicht so sehr der Besuch im Unterricht, nein, viel aufreizender ist es doch, wenn die jeweils anderen Schüler und Schülerinnen alle möglichen und unmöglichen Arten der Kontaktaufnahme ausprobieren. Ja, was dann sonst noch alle Jahre wieder an Erfahrungen gemacht wird in den Familien, bei den privaten Ausflügen, beim Essen, bei den Parties, am Strand, im Meer, das ist sicher in den Tagebüchern der Schüler nachzulesen.

Es gibt aber auch immer wieder einmalige und nicht wiederholbare Erlebnisse, wie z.B. im Juni 2003, als unser Zug in Bourg-en-Bresse eine Panne hatte, sodass wir in Lyon unseren Anschlusszug verpassten. Da hat man uns dann ganz einfach in einen superschicken TGV in die erste Klasse gesetzt – wir haben uns gefühlt wie Gott in Frankreich – und wir kamen 45 Minuten zu früh in Saint-Raphael an, obwohl wir in Lyon mit einer (!) Stunde Verspätung abgefahren waren. Und manchmal entwickelt sich so viel Symptathie zwischen Austauschpartnern und ihren Familien, dass der Austausch in den Ferien privat fortgeführt wird und dass beim Abschied in Neuenbürg oder Sainte-Maxime heiße Tränen fließen. Panta rei – alles ist im Fluss.

Quelle: Jahresbericht 2003–2005 (S. 68–70)